Schmerzen in der Brust

- kann da was Böses dahinter stecken?

Autor: Dr. H.-J. Koubenec (Impressum)
Quelle: eig. Expertenwissen

 

Was ist die häufigste Ursache für Schmerz?

Schmerzen in der Brust sind ein schwieriges Kapitel aus zweierlei Sicht: Zum einen für die Frau, weil sie die Schmerzen in der Brust beeinträchtigen und ängstigen, und zum anderen für den Arzt, weil er meist keine handfeste Ursache findet und sich eine plausible Erklärung immer etwas aus den Fingern saugen muss. Und doch kann der Arzt der Patientin fast immer helfen: Nicht, indem er die Schmerzen beseitigt, sondern, indem er der Frau die Angst nimmt, die Schmerzen könnten ein Zeichen für etwas Bösartiges sein. Schmerzen in der Brust sind nichts Besonderes. Fast alle Frauen haben zyklisch Beschwerden in den Brüsten. In der zweiten Hälfte des Zyklus spannen die Brüste, können berührungsempfindlich sein und können mitunter so schmerzhaft sein, dass "niemand rankommen darf". Bisweilen ziehen die Schmerzen bis auf die Innenseite des Oberarms. Diese Schmerzen bessern sich in der Regel mit dem Eintritt der Periode oder verschwinden völlig. Deratige Beschwerden sind sicher harmlos und lassen sich relativ einfach erklären: Die Brust steht, als sekundäres Geschlechtsorgan, unter dem Einfluss der körpereigenen Hormone, vor allem der Östrogene. Unter deren Einfluss wird Flüssigeit in das Brustgewebe eingelagert, die Brüste nehmen an Gewicht und Größe zu, das kann man sogar messen. Diese Volumenzunahme verursacht Dehnungsschmerz. Vor Eintritt der Periode sinkt der Östrogenspiegel stark ab, die Brust verliert wieder Flüssigkeit und Volumen und die Beschwerden gehen zurück. Schmerzen sind nicht immer beidseits und symetrisch und können auch nur in Teilen der Brüste auftreten. Auch wenn die Schmerzen nicht eindeutig zeitlich dem Zyklus zuzuordnen sind, spielen die eigenen Hormone wahrscheinlich die entscheidende Rolle. Die körpereigene Östrogenproduktion unterliegt vielen Einflüssen, so auch psychische Beeinträchtigungen wie Stress.


Weshalb haben dann nicht alle Frauen Brustbeschwerden?

Dafür gibt es viele Gründe: Dies hormonbedingte Flüssigkeitseinlagerung und damit die Volumenzunahme ist natürlich nicht bei allen Frauen gleich. Dies mag an unterschiedlicher Empfindlichkeit der Rezeptoren, der Zielorgane in der Brust, liegen. Auch bilden nicht alle Frauen gleiche Mengen an Hormonen. Aber vor allem scheinen Frauen sehr unterschiedlich empfindlich für den Dehnungschmerz zu sein. Die psychische Verarbeitung von Schmerzen spielt bei der Schmerzempfindung die zentrale Rolle und hierin sind die Menschen sehr verschieden.

Frauen nach den Wechseljahren klagen naturgemäß selten über Schmerzen in der Brust, es sei denn, sie nehmen Hormone ein. Dann allerdings leiden sie oft darunter, was leicht vermeidbar ist.

Weitere Ursachen für Brustschmerzen

Außer den Brustentzündungen sind Zysten in der Brust eine Ursache für Schmerzen. Zysten können, wie die allgemeine Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe, durch die Ansammlung von Drüsensekret in den Läppchen Spannungsschmerzen machen. Auch hier haben Frauen eine sehr unterschiedliches Schmerzempfinden. Manche Frauen haben mit Zysten von über 10 cm keinerleit Beschwerden, andere quält eine kleine Zyste und man kann ihnen leicht durch Abpunktion der Flüssigkeit helfen.

Wie kann der Arzt helfen?

Erfahrungsgemäß spielt die Angst bei Frauen mit Brustschmerzen oft eine größere Rolle als der Schmerz selbst. Der Arzt muss sich durch sorgfältiges und einfühlsames Fragen ein Bild von dem Leidensdruck der Patientin verschaffen. Auf die Frage: "Was bedrückt Sie mehr: Die Angst, etwas zu haben, oder der Schmerz selbst?" antworten die allermeisten Patientinnen: "Die Angst". Diesen Frauen kann durch eine sorgfältige Untersuchung und ein beruhigendes Gespräch geholfen werden. Dazu gehören eine Tastuntersuchung, eine Ultraschalluntersuchung und, je nach Alter, eine Mammographie. Es macht keinen Sinn, die ganze Palette diagnostischer Möglichkeiten aufzufahren, sondern die Untersuchungen zu machen, die dem persönlichen Risiko angemessen sind. Nach einer solchen Untersuchung ist, wenn nichts gefunden wurde, das Risiko der Frau, einen unerkannten Brustkrebs zu haben, deutlich geringer als vorher. Das beruhigt jede Frau und die Schmerzen können nun fast immer aktzeptiert werden: "Ja, jetzt kann ich damit problemlos leben..."

Stand: 19.12.2013